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“Ich bin kein Nostalgiker ”

Vor einigen Wochen habe ich mit anderen Studenten des IMS zusammen eine Zeitschrift produziert. Die Zielsetzung war unseren Studiengang „Witty“ und „Gritty“ in der Deutsche-Welle zu präsentieren. Das „Stay-up“ in unserem „Newsroom“ bis 2:00 Uhr morgens am Abgabetag hat sich gelohnt, denn die Zusammenarbeit hat mir sehr viel Spaß gemacht und unsere End-Produkt ist sehr schön geworden. Allerdings habe ich während der Arbeit an meinem Artikel mit dem Thema „Ein Tag im Leben von IMS…“ gemerkt, dass man auf 2 Seiten eigentlich gar nicht so viele Wörter packen kann. 6000 Zeichen ist ja gar nix im deutschen! Ich habe ein ca. 40 Minuten langes Interview mit Prof. Bernd-Peter Arnold gemacht, ein ehemaliger Intendant des Hessischen Rundfunks und unser Dozent für „Journalismus“. Leider konnte ich wegen des beschränkten Platzes unseres Magazin die meisten anregende Zitate überhaupt nicht präsentieren. Tja, nun müssen die wertvollen zusätzlichen Interviewsresultate durch ein „Q&A“  in meinem Blog präsentiert werden:

Womit beschäftigen Sie sich zur Zeit?

“Neben den zwei Veranstaltungen „Journalismus“ I und III am Dienstag an der DW-AKADEMIE in Bonn, bin ich zur Zeit wieder intensiv beschäftigt an der Universität in Mainz, weil jetzt das Winter Semester wieder begonnen hat. Dort leite ich im Augenblick 5 Veranstaltungen und muss 3 mal pro Woche hin. Aufgrund des verkürzten Abiturs und des Wegfalls der Wehrpflicht und der dadurch zuwachsenden Studierenden, sind die Veranstaltungsprogramme auch sehr voll.”

Wie sieht Ihr Mediennutzungsalltag aus? Benutzen Sie „Social-Media“?

“Morgens höre ich natürlich Radio, was auch das aktuellste und schnellste Medium ist und auch weil ich selber Radiomacher bin. Ich höre fast immer Radio wenn ich Gelegenheit habe, meistens den Deutschlandfunk. Und im Auto höre ich auch Bayern Fünf Aktuell, wenn ich mich schnell informieren möchte. Dann natürlich die Tageszeitung. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung habe ich abonniert und die ist jeden Morgen um fünf Uhr im Briefkasten wenn man in Frankfurt lebt. Ich glaube, als Journalist und Medienwissenschaftler muss man die FAZ lesen. Ich kaufe in der Regel neben der FAZ noch eine Zeitung dazu, was auch wechselt, d.h. von der Welt bis zur Bildzeitung.”

“Ich nutze natürlich das Internet ständig als Recherchetool und für Mailkontakte. „Social-Media“ nutze ich nur gelegentlich, denn mir fehlt die Zeit, mich da jetzt hinein zu knien, aber es wird sich sicherlich eines Tages ändern.”

Sie haben Jura studiert. Wie sind Sie eigentlich in die Medienbranchen eingestiegen?

“Als ich noch Schüler war wollte ich schon Journalist werden. Als ein Mediennutzer von Radio und Fernsehen habe ich mir gedacht, dass ich auch gern diesen Beruf machen möchte. Es gibt dann auch ein paar Eigenschaften, die ein Mensch haben sollte, wenn er Journalist werden will. Das Eine ist die Neugier, Dingen erfahren zu wollen. Das Zweite ist das Bestreben, die Dingen, die man erfahren hat, an andere weiter zu geben. Beides ist bei mir gegeben.

Als ich anfing zu studieren waren alle heutige Studiengänge wie Journalistik und Publizistik grade am Anfang und man wusste nicht, was daraus wird. Ich wollte schon immer politischer Journalist werden und habe und auch die Fachleute gefragt, was das richtige Studium dafür ist. Dann habe ich festgestellt, dass viele gute Journalisten Jura studiert haben. Außerdem habe ich auch Interesse an diesen Fach und habe dann also Jura studiert, was ich auch nie bereut habe.”

Haben Sie Vorschläge für die heutige Journalismus-Studenten?

“Heute gibt es die Studiengänge, die ganz gezielt auf den journalistischen Beruf vorbereiten. Am Institut für Publizistik an der Mainzer Universität werden durchschnittlich 60% der Absolventen Journalisten und 40% arbeiten z.B in der Öffentlichkeitsarbeit, in Marketingbranchen usw.

Aber ich bin auch der Meinung, dass es nicht zwingend ist, ein journalistisches Studium abschließen zu müssen um Journalist zu werden. Wichtig ist, dass man überhaupt studiert hat. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass man nach dem Abitur und einer praktischen Ausbildung direkt in den Medien einsteigen kann. Ich halte es für falsch, aber nicht aus akademischer Arroganz, sondern ich bin der Meinung, dass man spüren muss, dass man im aktuellen Journalismus immer oberflächlich arbeitet:

Wenn jemand vom Abitur kommt und denkt, dass man in den Nachrichten in 5 Minuten das Weltgeschehen beschreiben kann und hält das für in Ordnung, dann ist das falsch. Man muss in der Lage sein, zu erkennen, dass es nicht in Ordnung ist, es aber nicht anders geht. Es ist ein Sachzwang der journalistischen Arbeit. Durch das Studium lernt man sich mit Themen gründlich zu beschäftigen, z.B. durch Seminare, Hausarbeiten und Masterarbeiten. Wer das einmal getan hat, der empfindet, dass es eigentlich nicht gut ist, wenn er in 5 min Nachrichten die Welt beschreiben soll. Den Hintergrund der Medien sollte man natürlich lernen und kennen, aber es macht auch sehr viel Sinn, wenn man noch zusätzlich Nebenfächer studiert. Journalisten sind in der Regel Generalisten, aber die sollen auch ein paar Gebiete haben auf denen sie absolut fit sind.”

Heutzutage sind die Arbeitsbedingungen und die Medientechniken des Newsrooms viel moderner geworden. Aber was war Ihrer Meinung nach damals besser?

“Ich habe mehrmals technische Übergänge erlebt und es ist besonders deutlich beim Radio. Als ich beim Hessischen Rundfunk angefangen habe, hatten wir zwei Radioprogramme und als  ich die Station verlassen habe, hatten wir schon sieben. Diese Entwicklung hat auch sehr viel mit der technischen Entwicklung zu tun.

Damals Fernschreiber, heute hochleistungsfähige Computer. Ich kann nur sagen, dass ich mir wünsche, nicht zurück zu gehen, sondern ich die jungen Kolleginnen und Kollegen, die heute direkt mit den modernen Technik anfangen können, beneide. Ich schaue zurück und bin manchmal ein bisschen irritiert.  Allerdings gehöre ich nicht zu den Nostalgikern, die sagen, dass damals alles besser war. Ganz im Gegenteil. Es war gut und ist immer besser geworden.

Es gibt natürlich auch Probleme mit der modernen Technik. Ich sage auch immer wieder zu den jungen Kollegen und Kolleginnen: „Lasst euch nicht einlullen mit der Bequemlichkeit, die die neue Technik bietet“- nach der Motto „ich recherchiere nicht, ich google mal“, was ich gefährlich halte. Ich finde aber die neue Techniken sind wunderbare Werkzeuge für die journalistische Arbeit, allerdings sollen die Arbeit journalistisch bleiben.”

Mittlerweile benutzen die meisten Dozenten „Power Point“ als Präsentationstechnik. Warum bereiten Sie Ihre Lehrmaterial lieber mit den „grünen Karteikarten“ vor?

“Es gibt ein deutsches Buch, das heißt “Präsentieren Sie noch oder faszinieren Sie schon?”.  Ich bin natürlich nicht gegen PowerPoint, sondern ich halte sehr viel davon. Doch bin ich nur der Meinung, dass man diese Präsentationstechniken dort einsetzen muss, wo sie sinnvoll ist. Ich habe zu viele Vorträge erlebt, in denen Menschen Texte über PowerPoint projektieren und gleichzeitig vorlesen.  Ich benutze PowerPoint, wenn ich Vorträge mit Bilder und Grafiken habe. Es geht um die Erkenntnis, dass die Vermittlung von Informationen auf mehreren Ebenen gleichzeitig sehr negativ ist. Ich stell mir einen Fernsehzuschauer vor, der einen sprechenden Menschen sieht und im Hintergrund läuft ein Film, während unten am Bildschirm noch eine Textzeile läuft. Viele Erkenntnisse bestätigen, dass es nicht gut funktioniert, weil die Menschen sich nur auf einer Ebene richtig gut konzentrieren können.

Für die Journalismus-Lehrveranstaltung an der Deutschen Welle bereite ich Stichwörter vor und kein ausformuliertes Manuskript und trage einfach vor. Dadurch kann ich auf Reaktionen wiederum reagieren. Bei vielen PowerPoint-Vorträgen lässt das Schema solche Reaktionen gar nicht zu. D.h. ich bin nicht gegen neue Techniken, aber in diesen Fall brauchen wir die nicht.”

 

Bernd-Peter Arnold ist geborener Wiesbadener und lebt seit 1969 in Frankfurt. Bereits während seines Studiums der Rechtswissenschaften in Berlin und Mainz (1959 – 1965) war er als Reporter und Redakteur für den Hörfunk des Hessischen Rundfunks (HR) tätig, bevor 1965 eine Festanstellung als Nachrichtenredakteur erfolgte. Im Folgejahr wurde er zum Persönlichen Referenten des Intendanten des HR sowie zum Leiter der Intendanz, 1971 schließlich zum Nachrichtenchef des HR berufen. Seit 1981 ist Bernd-Peter Arnold auch regelmäßig als Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität tätig. Im Jahre 2007 wurde er zum Honorarprofessor bestellt. Ferner ist er Verfasser diverser Fachbücher und zahlreicher Aufsätze zum Thema Rundfunk. 

Weiterlesen!  Ein Tag im Leben von einem IMS-Professor und einer Studentin - 

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